Schriftgestaltung

Im heutigen digitalen Zeitalter existieren mehr Schriftentwürfe denn je. Die technischen Möglichkeiten, Schriften zu entwerfen, darzustellen und zu distribuieren, scheinen grenzenlos. Doch mit dieser Vielfalt sind auch die Anforderungen an die Gestaltung, die Produktion und die Anwendung von Schrift massiv gewachsen.

 

Das Lehrgebiet Schriftgestaltung widmet sich der Frage, wie sich das Erscheinungsbild und die Funktion von Schrift unter diesen Vorzeichen entwickeln. Was definiert die Qualität einer digitalen Schrift? Wie unterscheiden sich hochwertige Druckschriften von optimierten Screenschriften? Und wie beeinflussen technologische Umbrüche – vom Bleisatz über Webfonts bis hin zu KI – unser Verständnis von Form und Lesbarkeit?

Lehre und Ziele

Das Studium vermittelt zunächst die theoretischen Grundlagen zur Vorbereitung auf den eigenständigen Schriftentwurf. In Seminaren werden Konzeption, formaler Entwurf und die technische Umsetzung erarbeitet. Ziel ist der Aufbau eines tiefgreifenden Verständnisses für den Themenkomplex Schriftgestaltung, um die Studierenden für die eigene gestalterische Arbeit zu sensibilisieren.

Die Aufgabenstellungen sind vielfältig und spiegeln die gesamte Bandbreite moderner Kommunikationsdesign-Anforderungen wider:

  • Funktionale Konzepte: Entwicklung von Schriften für Interface, Buch oder Leitsysteme.

  • Experimentelle Ansätze: Exploration von Schrift als freie Form und Ausdrucksmittel.

  • Technologische Adaption: Auseinandersetzung mit Variable Fonts, Optical Sizes und Font-Programming.

Individuell und vielfältig

Der Unterricht findet in kleinen Lerngruppen von 5 bis 15 Studierenden oder in Kleinstgruppen statt. Dieser Rahmen ermöglicht individuelle Zielsetzungen und persönliche Erfolge bei der Realisierung komplexer Entwürfe. Zugleich profitieren die Teilnehmer*innen vom Austausch: Die unterschiedlichen Fragestellungen und Herangehensweisen innerhalb der Gruppe inspirieren wechselseitig und fördern den gestalterischen Diskurs. Während in Einführungskursen die handwerkliche Basis gelegt wird, begleiten wir fortgeschrittene Studierende in Einzelgesprächen bei ihren individuellen Entwicklungsvorhaben.

Forschung und Innovation

Die Schrift befindet sich in einer technologischen Umbruchphase. Wir untersuchen die »Krise der Auswahl«, die durch den exponentiellen Anstieg verfügbarer Fonts entstanden ist, und begegnen ihr mit Expertenwissen und neuen Vermittlungsformen. Ein Schwerpunkt der Forschung liegt auf den medialen Möglichkeiten von Schrift in neuen Kontexten:

  • Interaktive Schrift: Schrift mit »Verhalten«, die auf Parameter wie Zeit, Klang, Frequenz oder Raum reagiert.
  • Immaterielle Schrift: Anwendungen in Augmented Reality (AR) und Virtual Reality (VR), die das zweidimensionale »Zeichen-Korsett« verlassen.
  • KI und Systematik: Der Einsatz von künstlicher Intelligenz im Entwurfsprozess und die Untersuchung von Schrift als dynamisches Programm.

Projekte und Kooperationen

Schriftgestaltung an der Folkwang Universität der Künste versteht sich als transdisziplinär. Ein Beispiel hierfür ist das Projekt »HER« (Teil des Förderprojektes Raumstaben): Eine immersive Performance, in der Tanz, Klang und KI-Orakel aufeinandertreffen, um ein vieldimensionales, lebendiges Alphabet jenseits medialer Beschränkungen zu formen.

Ebenso relevant bleibt die Angewandte Schrift: Wir analysieren, wie durch Optical Sizes der Lesekomfort gesteigert werden kann und wie moderne Schriftsysteme durch verschiedene Klassifikationsgruppen dekliniert werden müssen, um systemische Brüche im Satzbild zu vermeiden.

Personen

Universität der Künste